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Wassertouren in Bourgogne-Franche-Comté

Mit dem Hausboot die Region vom Wasser entdecken
Mit dem Hausboot die Region vom Wasser entdecken (Foto: Andrea Quaß)

Wassertouren in Bourgogne-Franche-Comté

Es gibt wenige Ballungsräume, dafür aber weiträumige Landschaften mit viel Natur. Ideal kann man diesen Teil Frankreichs vom Wasser aus erkunden. Schiffbare Kanäle und Flüsse mit einer Gesamtlänge von über 1.300 Kilometer bilden das größte Wasserstraßennetz Frankreichs. Den Reichtum an Wasserwegen verdankt die Region ihrer geografischen Lage. Zur Verbindung der Becken von Loire, Seine, Rhône und Rhein wurden zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert eine Reihe von Kanälen als Ergänzung zu den schiffbaren Flüssen Yonne, Saône, Seille und Doubs angelegt.

Große und kleine Saône und Seille

Die „Große Saône“ zählt zu den majestätischen Flüssen Frankreichs. In der Region ist sie auf 300 Kilometern schiffbar. Sie bietet gute Voraussetzungen für die Schifffahrt: ausreichend hohe Pegelstände zu jeder Jahreszeit, wenige Schleusen sowie ein breites, oft natürliches Flussbett.

Die „Kleine Saône“ fließt von den Vogesen über 167 Kilometer friedlich bis nach Verdun-sur-le-Doubs, wo sie sich mit dem Doubs vereint. Von ihrer Quelle in den Vogesen kommend passiert sie die Altstadt von Gray und dann Auxonne, welches die Erinnerung an Napoleon Bonaparte wach hält. Über Chalon-sur-Saône, der Wiege der Fotografie, und Tournus, der Hochburg romanischer Baukunst, fließt der Fluss zwischen der Bresse und den Weinlagen der Côte Chalonnaise und des Mâconnais weiter nach Süden, wo sie in Lyon in die Rhône mündet.

Die Seille, ein linker Nebenfluss der Saône, ist von Louhans bis zur Mündung ebenfalls schiffbar. Sie windet sich durch die Wiesen und Felder der Bresse bis zum Naturschutzgebiet La Truchère.

Beliebter Zwischenstopp: Macon an der Saône
Beliebter Zwischenstopp: Macon an der Saône

Kanal zwischen Champagne und Burgund

Zwischen Pontailler und Gray trifft der Kanal zwischen Champagne und Burgund bei Heuilley-sur-Saône auf die Saône und biegt in das an Schlössern reiche Tal der Vingeanne ein. Der Kanal schafft über die Marne eine direkte Verbindung zum Seinebecken. In Cheuge erinnert die eiserne graue Klappbrücke aus dem Jahr 1887 an die Dreharbeiten zum Film „Der Sträfling und die Witwe“ mit Simone Signoret und Alain Delon. In seinem südlichen Teil führt der 1907 fertig gestellte Kanal durch das Tal der Vingeanne. Zwischen Bocage-Landschaften und Panoramen lohnt ein Abstecher zu den Schlössern von Talmay, Fontaine-Française und Rosières in Saint-Seine-sur-Vingeanne oder zur Freizeitanlage von Pontailler-sur-Saône.

Charterbasis in Dole am Rhein-Rhone-Kanal
Charterbasis in Dole am Rhein-Rhone-Kanal (Foto: Andrea Quaß)

Doubs und Rhein-Rhone-Kanal

Der Doubs entspringt bei Mouthe im Pays du Haut-Doubs. Er mäandert von dort über 453 Kilometer durch die Departements Doubs, Jura und Saône-et-Loire und streift kurz die Schweiz. Der Oberlauf des Flusses ist eher ungestüm und wild. Nach seinem Eintritt in die Ebene bei Montbéliard beruhigt sich der Doubs. Ab hier ist der Fluss auf einer Länge von 200 Kilometer schiffbar. Der Rhein-Rhône-Kanal begleitet den Doubs und verlängert ihn Richtung Elsass. Er garantiert eine ruhige Fahrt und bietet zugleich spektakuläre Abschnitte. Eindrucksvoll etwa ist der Tunnel, der eine Doubs-Schleife umgeht und unter der Zitadelle von Besançon hindurchführt. An einem anderen Flussübergang entstand die an Kunst und Geschichte reiche Stadt Dole. Zwischen Natur und historischen Bauten windet sich der Doubs flussabwärts. Nach vielen Mäandern und Schleifen verbindet sich der Fluss in Verdun-sur-Doubs mit der Saône.

Besançon mit Zitadelle am Fluss Doubs
Besançon mit Zitadelle am Fluss Doubs

Canal de Bourgogne

242 Kilometer und 189 Schleusen: Der 1832 eröffnete Canal de Bourgogne ist der längste Kanal der Bourgogne-Franche-Comté. Er verbindet die Yonne mit der Saône und überwindet bei Pouilly-en-Auxois die Wasserscheide in Form eines 3,3 Kilometer langen Scheiteltunnels – dem am höchsten gelegenen in Europa. Der Kanal gehört zum Erbe der Region und führt auf seinem Weg durch das Tonnerrois nah an den Schlössern von Ancy-le-Franc und Tanlay vorbei. Danach durchquert er das Auxois und passiert die Abtei von Fontenay das antike Alésia mit seinem MuséoParc und die alten Städtchen Semur-en-Auxois, Flavigny-sur-Ozerain und Châteauneuf-en-Auxois. Vor der Mündung in die Saône bei Saint-Jean-de-Losne folgt er dem Ouche-Tal und durchquert Dijon, die kultur- und geschichtsträchtige alte Hauptstadt des Herzogtums Burgund, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Der Kanal zeigt alle Reize der Region in konzentrierter Form: Weinbau und Bocage-Landschaften, Schlösser und industrielles Erbe, Dörfer sowie kleine und große Städte.

Canal du Nivernais & Yvonne

Der Canal du Nivernais, der die Loire über die Yonne mit der Seine verbindet, gilt als der schönste Kanal Frankreichs. Der von 1784 bis 1842 erbaute Wasserlauf behielt als einer von wenigen französischen Kanälen seine ursprüngliche Größe. Seine Ursprünge gehen auf das Flößen von Brennholz aus dem Morvan nach Paris zurück. Aus diesem Grund nutzt der Kanal teilweise den Lauf der ihn begleitenden Yonne. Von Clamecy aus brachten die Flößer ihre Holzflöße bis vor die Tore der Hauptstadt.

Über 174 Kilometer verläuft der naturnahe Kanal durch faszinierende Landschaften, wie die Seen von Baye, Heimat des scheuen Eisvogels. Spektakulär ist auch das „kleine Amazonien“ der Voûtes de la Collancelle. drei aus dem Fels gehauene Kanaltunnel sowie die 16 Schleusen der spektakulären Schleusentreppe von Sardy. Vorbei geht es weiter entlang der bei Klettersportlern beliebten Felsen von Le Saussois und schließlich den Weinlagen um Irancy, deren Weine für ihre Johannisbeer- und Kirscharomen bekannt sind.

Weiter flussabwärts fließt die Yonne durch die Hauptorte des nördlichen Burgunds: Auxerre, die Stadt der Kunst und Geschichte mit herrlichem Flusspanorama, die Gastronomie-Hochburg Joigny, das im 12. Jahrhundert vom französischen König gegründete Villeneuve-sur-Yonne und die Stadt Sens, stolze Besitzerin der ersten gotischen Kathedrale Europas.

Entspannung pur während des Bootsausfluges
Entspannung pur während des Bootsausfluges (Foto: Andrea Quaß)

Kanäle im Loire-Tal

Die Loire, Frankreichs letzter „wilder Strom“, ist bekannt für Naturräume mit artenreicher Pflanzen- und Tierwelt. Im westlichsten Teil der Bourgogne-Franche-Comté verbinden mehrere Kanäle die Region mit dem Loire-Tal: der Roanne-Digoin-Kanal, der Loire-Seitenkanal und der Canal de Briare. Die ersten beiden verlaufen parallel zu dem in diesem Abschnitt nicht schiffbaren Strom. Der letztere verbindet die beiden ersten Kanäle über seine Verlängerung – den Canal du Loing – mit der Seine.

Mehrere Kanalbrücken ermöglichen den Kanälen den Übergang über die Loire und ihre Nebenflüsse sowie ihre Anbindung an den Canal de Briare, den Canal du Nivernais und den Canal du Centre. Das auffälligste Wasserbauwerk ist die Schleusentreppe von Rogny-les-Sept-Ecluses. Sie wurde im 17. Jahrhundert als erstes Bauwerk dieser Art errichtet und wird von einem Kanalarm mit sanfterem Gefälle umflossen. Von Iguerande und Marcigny im Süden bis zur Klosterstadt La Charité-sur-Loire im Norden wird die Loire von Städten und Dörfern mit omanischen Kirchen gesäumt. Nevers ist das Zentrum der französischen Fayencekunst. Das Stadtbild dominiert die gotische Kathedrale mit ihren zeitgenössischen Glasfenstern.

Canal du Centre

Schmal und kurvenreich führt der Canal du Centre auf einer Länge von 112 Kilometer durch die Landschaften zwischen Saône und Loire. Begleitet wird er vom europäischen Fernradwanderweg EuroVelo6. Seit seinem Bau am Ende des 18. Jahrhunderts hat er maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung des Zechengebiets von Montceau-les-Mines beigetragen. Als einziger Kanal wird er zum Teil heute noch als Handelsweg genutzt. Deshalb sind die Schleusen zwischen Chalon-sur-Saône und Montceau-les-Mines automatisiert. Er verläuft durch die Weinbaugebiete Côte Chalonnaise und Côte de Beaune und folgt dann dem Fluss Bourbince durch die grünen Wiesen des Charolais. Kulturell empfehlenswert ist ein Abstecher nach Paray-le-Monial, das Zentrum romanischer Baukunst und Wallfahrtstätte ist. Technisch interessant ist die 234 Meter lange Kanalbrücke über die Loire in Digoin. Im einstigen Bergbaurevier lohnt der Besuch des Bergbaumuseums von Blanzy und der Villa Perrusson in Ecuisses.

Mit der Peniche durch die Kanäle schippern
Mit der Peniche durch die Kanäle schippern (Foto: Andrea Quaß)

Peniches: Mit alten Frachtschiffen unterwegs

Einstige Binnenschiffkähne sind heute komfortable Hotelschiffe: Ein Salon mit Bar, Sessel mit großer Sitztiefe, Kabinen mit gemütlichen Schlafplätzen und Bädern. Die Hotelschiffe können für zwei- bis siebentägige Kreuzfahrten gebucht werden. Sie bieten Unterkünfte für sechs bis 24 Personen. In der Regel wird die Schiffsreise mit Vollpension gebucht. Im Preis inbegriffen sind Ausflüge, Weinkellerbesuche, Besichtigungen und manchmal auch die Anreise von Paris.

Tournus - Anlaufhafen für große und kleine Boote
Tournus - Anlaufhafen für große und kleine Boote

Flusskreuzfahrten: Cruisen auf Saône und Rhône

Die Saône ist einer der großen europäischen Wasserwege für Flusskreuzfahrtschiffe. Der breite Nebenfluss der Rhône verbindet seit Jahrtausenden das Zentrum Europas mit dem Mittelmeerraum. Aufgrund ihrer Größe verkehren Flusskreuzer nur auf Wasserwegen für Schiffe mit großer Tonnage. Die Kreuzfahrten dauern meist eine Woche. An Bord der 3- oder 4-Sterne-Schiffe gibt es Platz für 50 bis 170 Passagiere. Etappenhäfen sind beispielsweise die Städte Chalon-sur-Saône und Mâcon. Einige Schiffe stoppen auch in Tournus, ein Ort mit mediterranem Flair. Bei den Landgängen lernen die Passagiere einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region kennen, etwa das Hospiz von Beaune oder die Abtei von Cluny. Ebenso werden die umliegenden Weinbaugebiete erkundet und der Reichtum der regionalen Küche genossen.

Hausboottouren: Urlaub auf dem Wasser

Freizeitkapitäne können für Schifftörns Hausboote mieten. Es gibt eine große Auswahl an unterschiedlichen Booten, die für Crews von zwei bis zwölf Personen geeignet sind.

An Bord gibt es eine gut ausgestattete Küche, Kabinen mit Einzel- oder Doppelbetten, eine Essecke und eine ggf. zum Schlafplatz umwandelbare Sofa-Ecke, ein Bord- WC, Duschen, Waschbecken und eine Heizung. Der Treibstoff- und Gasvorrat wird vor der Abfahrt aufgefüllt und reicht normalerweise für eine Woche. Ungefähr alle zwei Tage sind die Frischwasservorräte aufzufüllen.

Zum Steuern der 9 bis 15 Meter langen Boote wird kein Bootsführerschein benötigt. Vor Ort erfolgt eine ausführliche Einweisung durch Mitarbeiter der Charterbasis.

Mit dem Boot auf Kanälen und Flüssen unterwegs
Mit dem Boot auf Kanälen und Flüssen unterwegs (Foto: Andrea Quaß)

Häfen und Liegeplätze

Mit einem Hausboot können Freizeitkapitäne praktisch überall anlegen, sofern sie einige Regeln beachten. Anlegestellen und Jachthäfen bieten jeweils ihre eigenen Annehmlichkeiten. Zahlreiche Städte und Dörfer in der Region haben einen engen Bezug zur Schifffahrt und in ihnen gibt es viel zu entdecken. Am Kreuzungspunkt zwischen dem Canal de Bourgogne und der Saône ist Saint-Jean-de-Losne der bedeutendste Fluss-Yachthafen Frankreichs. Jedes Jahr im Juni versammeln sich hier zur farbenprächtigen Prozession „Pardon des mariniers“ die Mitglieder der verschiedenen Flussschiffervereinigungen. Dole und Gray verdankten den Wohlstand früherer Tage ihrer strategischen Lage an der Saône. In beiden Städten gibt es Jachthäfen, wie auch in der Kleinstadt Corre. Clamecy am Canal du Nivernais profitiert von seiner Geschichte als Flößerei-Drehscheibe für den Holztransport vom Morvan nach Paris. Ortsnamen wie die Place du Coche d’Eau in Auxerre und die Hausinschrift „Loge à pied“ in Joigny verweisen auf die jahrhundertelange Funktion der Yonne als Hauptverbindung zur Île-de-France. Digoin ragt durch seine Kanalbrücke heraus, die den Canal du Centre mit dem Seitenkanal der Loire verbindet und letztere überquert.

Infos: www.bourgognefranchecomte.com/comment-decouvrir-la-region/sur-un-bateau/


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