Leipziger Allerlei: Architektur, Musik, Revolution

Blick auf Leipzig
Blick auf Leipzig (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Von den berühmten Bewohnern, steinernen Zeugen und der bewegten Geschichte der quirligen Sachsen-Metropole

Leipzig ist eine alte Stadt. Im 7. Jahrhundert gründeten Sorben den Handelsstützpunkt Lipzk, den „Ort bei den Linden“. 500 Jahre später erhielt Leipzig Stadtrecht und Marktprivilegien. Die Stadt boomte und wurde schnell zu einer relevanten Handelsstadt. Dank Kaiser Maximilian I. erhielt sie 1497 ein Messeprivileg. Bis heute finden dort wichtige Messen statt.

Reger Handel wird immer noch betrieben. Der Hauptbahnhof ist nicht nur einer der größten Kopfbahnhöfe Europas, sondern beherbergt auch 140 Geschäfte und Dienstleister. Eine riesige Shopping Mall. Unmittelbar am Bahnhof beginnt die Innenstadt. Historische Messepaläste, Passagen, kombiniert mit modernen Bauten voller Geschäfte, Restaurants und Cafés laden zum Bummeln, Shoppen und Verweilen ein.

Drallewatsch: Kaffeehaus und Barfußgäßchen
Drallewatsch: Kaffeehaus und Barfußgäßchen (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Die Mädler Passage ist seit Jahrhunderten die vornehmste Flaniermeile Leipzigs. Der berühmte Auerbachs Keller, wo seit 1525 Wein ausgeschenkt wird, hat dort sein Domizil. Die Volkssage von Faust, der ein Fass aus dem Keller geritten haben soll, inspirierte auch den Studenten Wolfgang von Goethe. Sein Drama „Faust I“ trug zur weiteren Popularität des Weinkellers bei. Kaffeeliebhaber sollten einen Zwischenstopp im Café-Restaurant Zum Arabischen Coffe Baum, einem der ältesten „Kaffee-Tempel” Europas, machen. Schon Robert Schumann war einst Stammgast.

Eine Natur-Oase ist der Auenwald. Die in Europa einmalige Park- und Auenlandschaft zieht sich wie ein grüner Gürtel durch die Stadt. Zu den Attraktionen des berühmten Leipziger Zoos gehören eine Tropenerlebniswelt sowie die weltgrößte Menschenaffenanlage.

Tipp:
Begeben Sie sich unter Tage und besuchen die Moritzbastei. In den rund 450 Jahre alten Gewölben gibt es Tanz, Konzerte und Gastronomie. In lockerer Atmosphäre versteht sich. Schließlich wird diese von Europas größtem Studentenclub betrieben.


Thomaskirche in Leipzig
Thomaskirche in Leipzig (Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Wo Tradition, Kunst, Kultur und Revolution ganz nah beieinander liegen

Das Alte Rathaus am Markt ist eines der eindrucksvollsten Renaissancebauwerke in Deutschland. Wer sich für Stadtgeschichte interessiert, kann dort eine Ausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums besichtigen. Auf der Rückseite befinden sich die Alte Handelsbörse und das Goethedenkmal.

Die Nikolaikirche, älteste und größte Kirche Leipzig, war auch in jüngerer Geschichte ein wichtiger Schauplatz. Die „Friedliche Revolution“ begann dort. Friedensgebete und Montagsdemos sind wichtige Meilensteine der Wiedervereinigung Deutschlands.

Die Thomaskirche wiederum war über 25 Jahre Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach. Er wirkte als Thomaskantor. Sein Grab befindet sich im Altarraum der Kirche. Das Bach-Museum befindet sich direkt gegenüber. Auch der weltbekannte Thomanerchor hat in der Thomaskirche seinen Ursprung.

Musik liegt in der Luft: Großer Beliebtheit erfreuen sich die Motetten mit dem Chor am Freitag und Samstag, aber auch die Konzerte am Bachdenkmal vor der Kirche im Juli und August. Im Mendelssohn-Haus, dem ehemaligen Wohnhaus des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy, finden sonntags Konzerte statt.

Leipzig hat noch mehr zu bieten. So das über 250 Jahre bestehende, weltberühmte Gewandhausorchester. Spielstätten sind unter anderem das Opernhaus und das Gewandhaus. Mehr über das Künstlerpaar Robert und Clara Schumann erfährt man im Schumann-Haus. Akustik-Genuss pur bieten beispielsweise das Bachfest im Sommer, das A Cappella Festival im Frühling, das Wave-Gotik-Treffen zu Pfingsten oder die Jazztage im Herbst.

Tipp:
Alles Wissenswerte über die Musikgeschichte der Stadt erfährt man, wenn man der „Notenspur“ durch Leipzig folgt. Der Rundweg ist fünf Kilometer lang und führt zu Wohn- und Wirkungsstätten berühmter Komponisten.

Grassi Museum in Leipzig
Grassi Museum in Leipzig (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Was für die Augen bietet das Museum der bildenden Künste: es besitzt eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Mitteldeutschlands. Kunst der Gegenwart und aktuelle Tendenzen findet man etwa in der Galerie für Zeitgenössische Kunst, der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig und der G2 Kunsthalle. In der Leipziger Baumwollspinnerei, im Tapetenwerk und im Kunstkraftwerk befinden sich Ateliers, Galerien und repräsentative Ausstellungshallen.

Tipp:
Einen Blick über Sehenswürdigkeiten und Parkflächen genießt man vom Völkerschlachtdenkmal. Deutschlands monumentalster Denkmalsbau erinnert, ebenso wie die Russische Gedächtniskirche, an die Gefallenen der Völkerschlacht vom Oktober 1813.

Leipziger Skyline bei Nacht
Leipziger Skyline bei Nacht (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Mehr als alte Gemäuer: Leben in den Steinernen Zeugnissen der Stadt

15.600 Kulturdenkmäler gibt es. 80 Prozent sind Gründerzeit-Häuser. Eines der Reichtümer des heutigen Leipzigs ist der Reichtum an Bauten der Gründerzeit und des Jugendstils. Vor dreißig Jahren sah das noch anders aus. Zu DDR-Zeiten wurde wenig für den Erhalt der alten Gemäuer getan. Leipzig erweckte 1989 den Eindruck einer verfallenden Stadt mit tristen Straßenzügen und maroden Gründerzeithäusern. Ende der 1990er Jahre zogen viele Leipziger weg. Die Stadt zählte nur noch 437.000 Einwohner.

Die Stadt zog quasi die Notbremse. Sie mobilisierte und investierte in Gebäude, Infrastruktur und Wirtschaft. Mit Erfolg. Inzwischen sind viele Häuser aus der Gründerzeit saniert. Einst graue Stadtviertel sind attraktive und lebendige Wohnviertel geworden. Es wurden 30 Prozent mehr öffentliche Grünflächen geschaffen. Heute leben rund 600.000 Menschen in Leipzig. Die aktuell am schnellsten wachsende Großstadt Deutschlands.

Alte Handelsbörse in Leipzig
Alte Handelsbörse in Leipzig (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Wie Leipzig eine Gründerzeitstadt wurde

1861 wurde die Zunftordnung abgeschafft und ein Jahr später die Gewerbefreiheit eingeführt. Die Industrialisierung nahm ihren Lauf. Der Aufschwung der Großindustrie ließ Menschen nach Leipzig strömen. Zwischen 1871 und 1914 wurden aus 100.000 rund 625.000 Einwohner. Die Stadt wuchs. Es entstanden Wohngebiete und Villenvierteln, aber auch Fabrikgebäude, Rathäuser, Postämter, Banken und Krankenhäuser.

Aktien- und Terraingesellschaften wurden gegründet. Es folgten einheitliche Bebauungspläne und privatwirtschaftlicher Mietshausbau. Die neuen Stadtviertel wurden sozial durchmischt. In den Vorderhäusern wurden Ladengeschosse und Kaufmannswohnungen errichtet, in den Obergeschossen Wohnungen für Angestellte und Handwerker und in den Hinterhöfen Arbeiterquartiere.

Die Gesetzgebung von 1889 machte es zudem für Versicherungen attraktiv, in Genossenschaften zu investieren. Die Art dieses Wohnungsbaus boomte. Bis 1929 gab es ca. 30 Baugenossenschaften.

Zu den architektonischen Leitbauten dieser Zeit gehören beispielsweise das Neue Rathaus, das ehemalige Reichsgericht und die Universitätsbibliothek. Es werden verschiedene Themen-Rundgänge angeboten, darunter "Das Waldstraßenviertel und seine Geschichte(n)".

Universitätsbibliothek in Leipzig
Universitätsbibliothek in Leipzig (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Von Passagen, Durchhöfen und Messehäusern

Die Gründerzeit hat das Gesicht Leipzig geprägt. Es hat eine besondere städtische Architektur mit vielen Passagen und Durchhöfen. Das Besondere: nur Leipzig besitzt ein geschlossenes System im Innenstadtbereich. Bemerkenswert dabei sind die verschiedenen historischen Formen.

Der Durchhof verband verschiedene Gebäude miteinander. Während der Leipziger Messen beispielsweise konnten die Waren so schnell wieder verladen werden, ohne den Wagen zu wenden. Der Weg zwischen zwei Gebäudereihen wurde zudem verkürzt. Heute noch gut beim Kretschmanns Hof zu sehen.

Das barocke Durchhaus des 18. Jahrhunderts wiederum besaß einen einheitlichen Stil und eine geschlossene Gestalt. Die logistischen und ökonomischen Vorteile des Vorgängerbaus blieben jedoch erhalten. Im Erdgeschoss befanden sich meist Läden und Gewölbe, im ersten Stock Wohnräume und darüber die Warenlager. Von diesem Architekturstil ist in Leipzig nur der Barthels Hof erhalten.

Speck's Hof in Leipzig
Speck's Hof in Leipzig (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Messehäuser. Diese Gebäude erschlossen Grundstücke und Räume, die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten. So wurden z.B. Specks Hof oder die Mädler Passage über einer größeren Anzahl älterer Bauten errichtet. Das Beispiel des Städtischen Kaufhauses zeigt, dass die Messehäuser sogar ganze Straßenblöcke umschlossen.

Die Messehäuser dienten der Präsentation von Mustern in einem ansprechenden Ambiente und wurden meist nur während der Messezeit genutzt. Im Bereich der Innenstadt entstanden zwischen 1893 und 1938 insgesamt 30 Messehäuser. Zu Leipzigs "Messe-Blütezeit” 1927 waren 50 Messehäuser in Betrieb.

Barthels Hof in Leipzig
Barthels Hof in Leipzig (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

1996 wurde die Leipziger Messe auf ein neuerbautes Gelände verlegt. In die ehemaligen Ausstellungsräume zogen Museen, Galerien, Gastronomie, Geschäfte und Büros ein. Ob Steibs Hof, Zentralmessepalast, Stenzlers Hof oder Jägerhof - die Bauten beeindrucken noch heute.

Es wurden auch neue Passagen gebaut, z.B. Brühl-Arkade, Strohsack, Petersbogen und Höfe am Brühl. Diese tragen mit modernem Charme ebenfalls zur Attraktivität der City bei.

Bei Führungen wie ”Messepaläste, Passagen – die Stadt während der Jahrhundertwende” und ”Dr. Jürgen Schneider und seine Immobilien in Leipzig“ erfährt man mehr über die Architekturgeschichte der Stadt.

Tipp:
Am ersten Freitag im September wird jährlich das Passagenfest Leipzig veranstaltet. Neben der Shoppingmöglichkeit bis Mitternacht gibt es Straßenkunst, Konzerte, Theater, Ausstellungen, gastronomische Erlebnissen, Installationen und vielem mehr.


Links:

Leipzig Tourismus: www.leipzig.travel

Messepalast Speck's Hof in Leipzig
Messepalast Speck's Hof in Leipzig (Foto: Andrea Quaß / Reisefernsehen.com)

Übernachtungstipp

Aparthotels wie das Adina Apartment Hotel Leipzig - ideal für Städtetouren. Basisstation während des #RBCamp2019, das im Rahmen der Touristik & Caravaning stattfand.

Der Beitrag entstand im Rahmen des Reisebloggercamps in Leipzig. Sponsoren des Reisebloggercamps waren u.a. Leipzig Tourismus und Marketing, die Moritzbastei und und verschiedene Hotels vor Ort.


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