Ein- & Auswanderer-Spuren in Bremerhaven

Deutsches  Auswandererhaus
Deutsches Auswandererhaus (Foto: Kay Riechers)

Ein- & Auswanderer-Spuren in Bremerhaven

Der Traum vom Neuanfang in der Neuen Welt: Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven erzählt die erwartungsfrohe wie leidvolle Geschichte der Auswanderungswilligen in die USA. Es ist das weltweit einzige Museum neben Ellis Island in New York, das sich der Thematik Auswanderung und Einwanderung widmet. Eindrucksvoll erhält der Besucher Einblicke in die mühevolle Reise aus Europa nach Amerika. Chancen und Risiken eines Neubeginns werden ebenso beleuchtet wie das komplexe Procedere der Reise an Land und auf See.

Die Auswanderer mussten während der Überfahrt von Bremerhaven nach New York alle Unbill des Wetters über sich ergehen lassen. Ihre Lebensverhältnisse tief unter Deck könnten kontrastreicher zum Kreuzfahrtkomfort heutiger Schiffe nicht sein, wie das Schiffsmodell eindrucksvoll beweist, durch das die Besucher geführt werden. Gezeigt wird die ganze Geschichte der handelnden Personen und Institutionen von der Registrierung in Bremerhaven bis zum bangen Warten auf die Prüfung durch die amerikanischen Einreisebehörden. Unzählige Einzelschicksale verbergen sich im renommierten Archiv des Hauses, das jedermann zugänglich ist und digital von Menschen aus aller Welt bei der Ahnenforschung genutzt wird.

Auswandererhaus: Umbau und Erweiterung

Bis Sommer 2021 wird das Deutsche Auswandererhaus umgebaut und erweitert. Die Dauerausstellung wird erneuert, ein neues „Garage Museum“ errichtet und die „Academy of Comparative Migration Studies (ACOMIS)“ gegründet. Die Intensität von Einwanderungsdebatten ist in den letzten beiden Jahrzehnten in Deutschland wieder gestiegen. Bisher zeigt das Haus 300 Jahre Aus- und Einwanderungsgeschichte. Im neuen Dauerausstellungsteil geht es u.a. darum, wie das Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland gestaltet werden kann.

Gezeigt werden soll, dass Konflikte in Einwanderungsgesellschaften zum Alltag gehören. Es werden unterschiedliche Migrationskonflikte in Geschichte und Gegenwart vorgestellt, die sich an Themen wie Wohnraum, Lohngleichheit sowie sozialer und kultureller Gleichberechtigung entzündet haben. Dargestellt werden diese Konflikte emotional, rational und multiperspektivisch: Alle, die daran beteiligt sind, kommen zu Wort. Ebenso werden verschiedene Experten rückblickend Konflikte analysieren, aber auch in die Zukunft schauend neue Ideen zum Zusammenleben vorstellen. Museumsbesucher können sich ein ausgewähltes Konfliktthema entlang einer Zeitachse anschauen: Wie wurde vor 70, wie vor 50, wie vor fünf Jahren mit ähnlichen Konflikten umgegangen? Was waren „gute“, was waren „schlechte“, was waren überhaupt keine Lösungen?

Auch die Geschichte von Einwandererfamilien und ihrem Leben in Deutschland wird künftig eine Rolle spielen. Ihre Erinnerungsstücke aus alten und neuen Heimaten stehen für die generationsübergreifende Intensität von Migrationserfahrungen. Familiäre Erzählungen geben Antworten auf die Frage: Wie gestalte(te)n sie ihren Alltag in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft? Wie gehen sie mit der Erfahrung von Diskriminierung und Gewalt um und wie setzen sie sich dagegen zur Wehr? Die Erzählungen reichen von Hugenotten über „Ruhrpolen” bis zu jüdischen Kontingentflüchtlingen und somalischen Geflüchteten.

„Wir sind in einer Situation, in der viele eine Krise der Demokratie bei der Bewältigung gesellschaftlicher Fragen wie der Migration sehen“, sagt Dr. Simone Eick, Direktorin des Deutschen Auswandererhauses. „Wir möchten unsere Besucher*innen darin bestärken, sich eine Meinung zu bilden: und zwar durch sachliche Diskussion und faire Behandlung kontroverser Positionen.“

Museumsbesuchern werden interaktive Vergleichsmöglichkeiten angeboten: Wie führten und führen andere Einwanderungsgesellschaften ihre Debatten, wie lösten und lösen sie ihre Konflikte? Dafür ergänzt das Museum seinen Ausstellungsteil zur europäischen Einwanderungsgeschichte der USA, Kanadas und Australiens. Ein neuer Themenschwerpunkt wird die Auswanderungsgeschichte osteuropäischer Juden sein, von denen Hunderttausende über Bremerhaven nach Übersee gingen.

Einblicke in das Leben an Bord der Schiffe
Einblicke in das Leben an Bord der Schiffe (Foto: Stefan Volk / Deutsches Auswandererhaus)

Academy of Comparative Migration Studies

Die Neuausrichtung des Museums beinhaltet auch die Gründung der „Academy of Comparative Migration Studies“ (ACOMIS). In der Akademie wird ein Bildungsinstitut zur Museumspädagogik für Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung sowie ein Institut für Migrationsforschung etabliert. Unterstützt durch die Stiftung Deutsches Auswandererhaus werden die Wissenschaftler des Deutschen Auswandererhauses künftig gemeinsam mit Universitäten zu historischen und vergleichenden Migrationsfragen forschen.

Die allgemeine Öffentlichkeit wird in dem „Garage-Museum“ angesprochen. Mit dieser außergewöhnlichen Präsentationsform öffnet sich das Deutsche Auswandererhaus in die Stadt: Die einer Garage ähnelnde Ausstellungsfläche wird in die Fassade zum Straßenraum hin integriert und erlaubt einen begehbaren Einblick in das Migrationsmuseum. Hier werden künftig Wechselausstellungen zu aktuellen Migrationsthemen präsentiert – kostenfrei und für alle.


Deutsches Auswandererhaus
Columbusstraße 65
D-27568 Bremerhaven
Tel.: +49 / (0) 471 / 90 22 0 – 0
Fax.: +49 / (0) 471 / 90 22 0 – 22
info@dah-bremerhaven.de
www.dah-bremerhaven.de





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