Trepalle: Zu Besuch in Italiens höchstem Dorf

Trepalle - Italiens höchstes Dorf
Trepalle - Italiens höchstes Dorf (Foto: AptLivigno)

Trepalle: Zu Besuch in Italines höchstem Dorf

Das italienische Dorf Trepalle (auf deutsch: „Drei Eier“) liegt auf einer Seehöhe von 1907 bis 2250 Metern, am Passo d’Eira. Das höchstgelegene Dorf Italiens ist nach eigenen Angaben der höchste dauerhaft bewohnte Ort Europas - so ganz eindeutig ist das jedoch nicht. Die höchstgelegene Pfarrei Europas betreibt dort eine Tankstelle. Der Dorfpfarrer war einst Rechtsanwalt und (nebenbei) Chef einer Schmugglerbande. Das Bergdorf erzählt seine eigene, skurrile Geschichte - eine von Armut, Gottesfurcht sowie Import & Export.

Pfarrer mit irdischer Lebenseinstellung

Alessandro Parenti war ein Mann mit vielen Talenten. Von 1939 bis 1980 war „Don Sandro“ Dorfpfarrer von Trepalle. Dort oben, in der höchstgelegenen Pfarrei Europas, war das Leben eines der härtesten. Auf über 2.000 Metern Höhe musste man kreativ sein, um zu überleben. So gingen die jungen Männer nachts zum Schmuggeln hinüber nach Bormio und ins Engadin. Wurden sie erwischt, verteidigte sie der streitbare Pfarrer, der eine juristische Ausbildung hatte. Sein Argument: Die Grenzen seien menschengemacht, nicht von Gott gegeben – somit könne er als Pfarrer das Schmuggeln nicht verurteilen.

Wo der liebe Gott nicht helfen konnte, half Don Sandro selbst: Kurz nach seiner Ankunft ließ der Gottesmann direkt an der Passstraße eine Zapfsäule installieren. Mit dem Spritverkauf finanzierte er Wasser und Licht für Trepalle. Die Kinder unterrichtete er selbst. Nach Schulschluss und der Abendmesse machte er sich auf den einsamen Weg. Nicht in die Kneipe, sondern zum Schmuggeln …

Himmliches und Irdisches im Bergdorf
Himmliches und Irdisches im Bergdorf (Foto: AptLivigno)

Literarisches Vorbild für Don Camillo

Man muss nicht allzu weit um die Ecke denken, um Parallelen zwischen Alessandro Parenti und Don Camillo aus den Italo-Komödien der 50er und 60er Jahre zu erkennen. Der Autor von „Don Camillo und Beppone“, ein gewisser Giovannino Guareschi, verbrachte einige Sommer in Trepalle. Ob er zum Schmuggeln mitgenommen wurde, ist nicht überliefert.

Die Tankstelle von Don Sandro gibt es übrigens heute noch, an der Straße zwischen Passo d’Eira und Passo di Foscagno. Sie ist immer noch Eigentum der Pfarrei. Die Original-Zapfsäule kann man im Heimatmuseum MUS! unten in Livigno bestaunen.

Livigno: Duty free in luftiger Höhe
Livigno: Duty free in luftiger Höhe

Zollfrei shoppen in "Little Tibet"

Das Bergdorf Livigno liegt dreihundert Meter tiefer. Wegen seiner gottverlassenen Lage hoch in den lombardischen Alpen – zwischen den Eisriesen von Ortler und Bernina – war es einst bettelarm. Ganz anders heute: es ist ein Zollfrei-Paradies mit über 250 Shops alleine in der Fußgängerzone. 1.816 Meter hoch gelegen, wird es aufgrund seiner exponierten Lage auch als „Tibet der Alpen“ bezeichnet.

Urlauber finden dort die perfekte Kombination von Dreitausender-Gipfelzielen und Italiens Dolce Vita: Ein Aussichtsbalkon zwischen den höchsten Bergen der Ostalpen, dazu italienische Gaumenfreuden. Zwei Liftanlagen bringen im Sommer Mountainbiker und Wanderer sowie im Winter Skifahrer und Snowboarder nach Livigno. Wer von Bormio über den Eira-Pass nach Livigno fährt, kommt in Trepalle vorbei.

Einsame Wanderungen auf Ex-Schmugglerpfaden
Einsame Wanderungen auf Ex-Schmugglerpfaden

Wandern, wo einst geschmuggelt wurde

Im Tal gibt es einfache und gemütliche Touren und sportliche Herausforderungen in den Bergen. Eine einsame Talwanderung etwa führt zur Bocheta de Valècia. Gestartet wird entweder direkt in Trepalle oder am Parkplatz an der Pont de Rèz (2.040 m). Ab dort wandert man in rund zwei Stunden immer weiter hinein in den idyllischen Talschluss, bis man schließlich an der Passhöhe, der Bocheta de Valècia (2.620m) steht. Unterwegs kommt man an der Chesèira de Valècia vorbei. Nach der Rast an der Passhöhe geht’s auf bekanntem Weg in gut einer Stunde wieder zurück gen Trepalle.


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