Berlin: Mauersuche in der einst geteilten Stadt

(Quelle: visitberlin.de/Koch)

Berlin: Mauersuche in der einst geteilten Stadt

(rf) Mehr als 28 Jahre teilte eine fast unüberwindbare Mauer Ost- und West-Berlin. Mindestens 136 Menschen verloren hier ihr Leben, bei einem Fluchtversuch von Ost nach West. Sie führte jahrzehntelang mitten durch die Stadt: Die Mauer, ein Beton-Bollwerk, das traurige Weltgeschichte schrieb und zum Symbol des Schreckens wurde. Der Ostteil der Stadt: zugemauert, abgeschnitten. Im Westen schauten Mneschen aus aller Welt auf Aussichttürmen über die Mauer „nach drüben“, versuchten Tausende Graffitis dem grauen Koloss seine Brutalität zu nehmen. An ihr starben Menschen, an ihr entschieden sich Schicksale. Berlin, die geteilte Stadt ... Dann änderte sich alles. Am 09. November 1989 wurde die Mauer, Symbol der Teilung Berlins und Deutschlands, geöffnet - Menschen strömten über die Grenzübergänge von Ost nach West und von West nach Ost. Die Mauer, das einzigste,steinerne Schreckensgespengst, verschwand an vielen Stellen Berlins. Seit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung hat sich die Stadt sehr verändert: Die beiden Stadthälften sind wieder zusammengewachsen, historische Gebäude wurden restauriert, neue Viertel und spektakuläre Bauten entstanden. Was ist von der Mauer geblieben? Wo findet man außer in vielen hunderttausend Vitrinen noch steinerne Mauer-Erinnerungen? Der Verlauf der gut 40 Kilometer langen innerstädtischen Grenze ist im heutigen Stadtbild nicht mehr „ununterbrochen“ dokumentiert. Eine Doppelreihe aus Pflastersteinen kennzeichnet den Mauerverlauf über 5,7 Kilometer im Herzen der Stadt. In bestimmten Abständen ist auf Metalltafeln im Boden die Inschrift zu lesen: „Berliner Mauer 1961–1989“. Eine Doppelreihe wurde deshalb gewählt, weil es die Mauer (fast) immer doppelt gab: die Grenzmauer zu West-Berlin und die so genannte „Hinterlandmauer“ nach Ost-Berlin hin. Lückenlos ist die Steinreihe aber nicht mehr – teilweise wurden die „Mauersteine“ mit Häusern, Hallen etc. überbaut. Teilweise holte sich die Natur das Gelände zurück. Und auch überall da, wo der ehemalige Mauerstreifen heute (wieder) Privatbesitz ist, fehlt die Pflaster-Markierung. Ohne Mühe findet man sie aber am Brandenburger Tor sowie am Potsdamer Platz.

Fakten - Berliner Mauer
- Die Mauer rund um West-Berlin war insgesamt 156,4 Kilometer lang, davon entfielen 43,7 Kilometer auf die Sektorengrenze zwischen West-Berlin und Ost-Berlin.
- Der 13. August 1961 gilt zwar als Tag des Mauerbaus, an dem sämtliche Verkehrswege zwischen West- und Ost-Berlin unterbrochen wurden. Doch erst an den folgenden Tagen gelang die nahezu komplette Abriegelung.
- Der Abriss der innerstädtischen Mauer, der schon am 10. November 1989 mit der Öffnung neuer Grenzübergänge begonnen hatte, endete offiziell am 30. November 1990. Im Umland zu Brandenburg verschwanden die letzten Segmente im November 1991.
- Einige der Mauersegmente finden sich heute an verschiedenen Orten der Welt. So sicherte sich der US-Geheimdienst CIA für seinen Neubau in Langley, Virginia, einige künstlerisch verzierte Mauersegmente. In den Vatikanischen Gärten wurden im August 1994 einige Mauersegmente mit der aufgemalten Sankt-Michaels-Kirche aufgestellt. Ein weiteres Teilstück der Mauer kann im Haus der Geschichte in Bonn besichtigt werden.
- Nach Recherchen des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Gedenkstätte Berliner Mauer wurden zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Darüber hinaus verstarben mindestens 48 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenz¬übergängen. Die meisten der Todesopfer waren DDR-Flüchtlinge, die versuchten, über die Sperranlagen nach West-Berlin zu gelangen. Acht DDR-Grenzsoldaten verloren ihr Leben im Dienst – durch Fahnenflüchtige, Kameraden, Flüchtlinge, einen Fluchthelfer sowie einen West-Berliner Polizisten. Mehr als die Hälfte der 136 Todesopfer wurden in den ersten fünf Jahren nach dem Mauerbau gezählt.

Berliner Mauerweg
Der Berliner Mauerweg kennzeichnet den Verlauf der ehemaligen DDR-Grenzanlagen zu West-Berlin. Er führt über rund 160 Kilometer um die einstige Halbstadt herum. In den meisten Abschnitten verläuft die Rad- und Wanderroute auf dem ehemaligen Zollweg (West-Berlin) oder auf dem so genannten Kolonnenweg, den die DDR-Grenztruppen für ihre Kontrollfahrten im Todesstreifen angelegt hatten. Der Weg ist ausgeschildert; in regelmäßigen Abständen helfen Übersichtspläne bei der Orientierung. Außerdem erhält man an mehr als 40 Stationen mehrsprachige Informationen über die Teilung Deutschlands, den Bau und den Fall der Mauer. Für die Planung von Radtour oder Wanderung ist der Berliner Mauerweg in 14 Einzelstrecken gegliedert. Sie sind zwischen sieben und 21 Kilometer lang. Die Anfangs- und Endpunkte aller Etappen kann man gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen. Um dem Mauerweg nahtlos folgen zu können, gibt es einen multimedialen MauerGuide, der per GPS-Navigationssystem den Berlinentdecker zu den zentralen Mauergedenkstätten geleitet. Der MauerGuide kann an mehreren zentralen Punkten des Mauerwegs ausgeliehen werden (Checkpoint Charlie, Brandenburger Tor, Bernauer Straße) und verfügt über die Sprachen Deutsch und Englisch. Die Kosten liegen bei 8 Euro für 4 Stunden und bei 10 Euro pro Tag.

Tour: Vom Potsdamer Platz zum Checkpoint Charlie
Wer vom Potsdamer Platz in Richtung Südost läuft, erlebt auf einer Strecke von mehr als sieben Kilometern einiges aus der Mauer-Geschichte „live“. Am Platz selbst weisen eine Ausstellung, zwei Tafeln der Geschichtsmeile Berliner Mauer und ein Wachturm der DDR-Grenztruppen auf die Zeit der Teilung hin. Besser nachvollziehbar wird die Grenzsituation in der Niederkirchner- und Zimmerstraße, an der ca. 200 Meter Originalmauer auf dem Gelände der Ausstellung „Topographie des Terrors“ (am Martin Gropius Bau) erhalten geblieben sind. Hier ist auch die Markierung des ehemaligen Mauerverlaufs mit der doppelläufigen Kopfsteinpflasterreihe deutlich als die Linie erkennbar, an der die vordere Sperrmauer stand. Der bröckelnde Zustand des Mauerrestes ist den „Mauerspechten“ geschuldet: Mit Hammer, Meißel und Elektrowerkzeug hatten sie sich als Souvenirjäger 1989/90 am schnellen Abriss des verhassten Bauwerks beteiligt. Weiter geht es am Ausländergrenzübergang Friedrichstraße/Checkpoint Charlie vorbei. Hier zeigt das Panorama „Die Mauer“ das Leben entlang der Mauer zwischen Mitte und Kreuzberg an einem fiktiven Herbsttag in der 80er Jahren. Gegenüber dem Mauerpanorama findet sich die Black Box „Kalter Krieg. Die Ausstellung informiert die Besucher anhand von Fotos, Mediastationen und Texttafeln über die Geschichte des Ost-West-Konflikts. Wenige Meter liegt das private Mauermuseum. Das Museumshaus am Checkpoint Charlie präsentiert neben Dokumentarfilmen und Zeitzeugengesprächen eine fast unüberschaubare Vielzahl an Exponaten und originalen Hilfsmitteln, die Menschen zu ihrer Flucht aus der DDR gebrauchten. Im Anschluss an das Mauermuseum geht die Route weiter zum Gedenkort Peter Fechter. Vom Verlagshaus Axel Springer ist es nicht mehr weit zum ehemaligen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße. Hier wurde u.a. der Post- und Güterverkehr zwischen Ost- und West-Berlin abgewickelt und es war die Übergangsstelle für westdeutsche Besucher von Ost-Berlin sowie von akkreditierten Diplomaten. Von der ehemaligen GÜST (Grenzübergangsstelle) ist nichts mehr übrig geblieben. Durch die Sebastian- und Waldemarstraße geht es weiter über das Engelbecken und den ehemaligen Luisenstädtischen Kanal. Über die Schillingbrücke gelangt man in die Holzmarkt- und Mühlenstraße. Dort befindet sich der längste erhaltene Mauerabschnitt in der Berliner Innenstadt. Die hintere Sperrmauer war hier untypischerweise in den neutralweißen Betonelementen ausgeführt, wie sie sonst nur als Mauer Richtung West-Berlin errichtet wurde. Die Grenzanlagen sollten in diesem Bereich besonders ansehnlich wirken, weil die Konvois der Staatsgäste vom Flughafen Schönefeld über diesen Straßenzug in das Ost-Berliner Zentrum fuhren. 1990 haben Künstler aus aller Welt den 1,3 Kilometer langen Rest der Grenzmauer mit markanten Bildern bemalt. Viele der Künstler waren 2009 zurück nach Berlin gekommen, um ihre Kunstwerke aufzufrischen. Jetzt erstrahlt die sogenannte „East Side Gallery“ wieder in neuem Glanz.
Hinweis: Die Innenstadttour vom Potsdamer Platz zur Warschauer Brücke ist zwar nur sieben Kilometer lang, wegen der vielen Gedenk- und Erinnerungsorte sollte man aber genügend Zeit einplanen (ca. 4–5 Stunden).
Links:

Gedenkstätte Berliner Mauer
Öffnungszeiten: Ausstellung im Gedenkstättenareal, Montag bis Sonntag 8–22 Uhr
Besucherzentrum und Dokumentationszentrum: April–Oktober, Dienstag bis Sonntag 9.30–19 Uhr, November–März, Dienstag bis Sonntag 9.30–18 Uhr

Geschichtsmeile Berliner Mauer
Die Geschichtsmeile Berliner Mauer ist eine viersprachige Dauerausstellung. Sie informiert an 30 Stationen entlang des innerstädtischen Mauerwegs über die Geschichte von Teilung, Mauerbau und Maueröffnung. Mit Fotografien und Texten werden Ereignisse geschildert, die sich am jeweiligen Standort zugetragen haben und die politische Situation sowie den Alltag in der geteilten Stadt deutlich machen.

Parlament der Bäume
Das „Parlament der Bäume“ ist ein Gedenkort für die Toten an der Berliner Mauer. Der Künstler Ben Wagin hat ihn 1990 auf dem ehemaligen Grenzstreifen in der Nähe des Reichstags angelegt. Die Installation aus Bäumen, Gedenksteinen, Sachzeugnissen der Grenzanlagen, Bildern und Texten ist von verschiedenen Künstlern gestaltet worden. Auf Granitplatten sind die Namen von 258 Mauertoten genannt. Die Namensnennung beruht auf damaligen Kenntnissen, die inzwischen durch genaue Prüfung der Ereignisse auf Grundlage der Archivunterlagen präzisiert werden konnten.

Gedenkort „Weiße Kreuze“

Hinter dem Ostportal des Reichstagsgebäudes (heute Sitz des Deutschen Bundestages) verliefen die Grenzanlagen der DDR. Das südwestliche Ufer der Spree gehörte zu West-Berlin, die Wasserfläche war bereits Ost-Berliner Gebiet. An der Stelle, an der die vordere Grenzmauer bis 1990 auf das Flussufer traf, richtete der private Berliner Bürger-Verein zum 10. Jahrestag des Mauerbaus 1971 den Gedenkort „Weiße Kreuze“ ein. Nach Abriss der Grenzanlagen und Neugestaltung des Ufers wurde der Gedenkort in unmittelbarer Nähe zum ursprünglichen Ort an der Spree wieder errichtet. Er soll mit sieben Kreuzen an alle Menschen erinnern, die nach dem Mauerbau bei dem Versuch, aus der DDR nach West-Berlin zu fliehen, ums Leben gekommen sind.

Gedenkort Peter Fechter
An der Berliner Mauer wurden nach neuesten Erkenntnissen 134 Menschen bei einem Fluchtversuch getötet oder kamen im Zusammenhang mit dem Grenzregime ums Leben. Einige Fluchtorte sind im Verlauf der Berliner Grenzanlagen durch Erinnerungszeichen markiert. Zu den bekanntesten gehört der Gedenkort für Peter Fechter. Er wurde am 17. August 1962 von Grenzsoldaten der DDR erschossen, als er versuchte, die Mauer Richtung West-Berlin zu übersteigen. Schwer verletzt lag Peter Fechter ohne medizinische Hilfe im Grenzstreifen am Fuße der Mauer. West-Berliner Polizei durfte nicht eingreifen. Auch die Posten der West-Alliierten am Checkpoint Charlie schalteten sich nicht ein. Erst nach fast einer Stunde wurde der Verblutende von den Grenzsoldaten der DDR abtransportiert.West-Berliner Bürger, die das Geschehen beobachtet hatten, legten am gleichen Tag Blumen und Kränze an der Mauer nieder und richteten einen Gedenkort ein, der bis heute besteht. An jedem 13. August, dem Jahrestag des Mauerbaus, gedenken hier Bürger und politische Repräsentanten der Toten an der Berliner Mauer.


Weitere Informationen:
www.berlin.de/mauer
www.mauerguide.com
www.chronik-der-mauer.de
www.berliner-mauer-gedenkstaette.de
www.mauermusem.de
www.eastsidegallery.com


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