USA: Auf dem Whiskey Trail durch Tennessee

Ole Smoky Moonshine in Gatlinburg, Tennessee

(Quelle: Tennessee Tourism)

USA: Auf dem Whiskey Trail durch Tennessee

Moonshine, das raue Getränk der alten Schwarzbrenner, ist in Tennessee salonfähig geworden. Während der Prohibition blühte in den USA der Schmuggel mit dem Hochprozentigen. Auch nach dem Ende des Alkoholverbots gab es weiter Moonshiner. In den letzten Jahren trauten sich einige Moonshiner ans Tageslicht. Die zumeist kleinen Familienbetriebe zahlten nun Steuern und fanden im Süden schnell begeisterte Kunden. Überall im Staat sind zudem Neugründungen aus dem Boden geschossen, etwa am Great Smoky Mountains National Park in Pigeon Forge die Ole Forge Destillery und Tennessee Moonshine von Gatlinburg. Ihre Produkte füllen die Moonshine-Brenner, wie zu Mondlichtzeiten, in Einmachgläser ab. Meistens gibt es sie auch als fruchtige Mischgetränke, ob nun mit Melone, Erdbeere oder Pfirsich. Kostenlose Verköstigungen schaffen Überblick in der oftmals hochkreativen Vielfalt.

Das Tennessee Stillhouse in Chattanooga verkauft feineren, auch „experimentellen“ Whiskey in schönen Flaschen und gräbt dafür teils zwei Jahrhunderte alte Rezepte wieder aus. Mussten Tim Piersant & Joe Ledbetter anfangs noch außerhalb des Staates produzieren, so geschieht dies jetzt auch in den eigenen Räumen der Mikro-Destille und Bar: mit Chattanoogas erster Brennerei-Lizenz seit der Prohibition. Die beiden Gründer sind stolz darauf, dass sie „100 Jahre Prohibition ungeschehen machen“. Sie übertreiben kaum, denn auch vorher gab es schon Verbote, und noch heute sind viele Landkreise in Tennessee „trocken“. Manche können das Verbot nicht aufheben, denn ein Gesetz des Staates verlangt eine Volksabstimmung. Dumm nur: Ein anderes Gesetz schreibt dafür eine Einwohnerzahl von mindestens tausend vor, und die muss man erstmal haben.

Mikro-Destille Tennessee Stillhouse in Chattanooga

(Quelle: Tennessee Tourism)

Weit von dieser Marke entfernt rangiert ausgerechnet Moore County, die Heimat einer Weltmarke. Die Jack Daniel Distillery ist Mitglied der Gilde und ein Stopp auf dem Trail. Sie produziert in Lynchburg mit ihrem Tennessee Whiskey jede Flasche eines Getränks, das sich ebenfalls vom Bourbon deutlich abgrenzt. Verkürzt gesagt: Man gibt herkömmliches Bourbon-Destillat nicht gleich ins Fass, sondern lässt es vorher durch fein zerbröselte, drei Meter hoch geschichtete Holzkohle aus Zuckerahorn träufeln, was die Fuselstoffe herausfiltert. Die Passage dauert drei Tage. Nur was diese Reise absolviert hat, darf sich „Tennessee Whiskey“ nennen. Unten heraus kommt Kristallklares; seine Farbe gewinnt der Whiskey erst in ausgeflämmten Eichenfässern. Früher gab es Hunderte Hersteller von Tennessee Whiskey, heute sind es noch zwei: neben der Weltmarke ist es George Dickel im nahen Cascade Hollow bei Tullahoma, ebenfalls vor anderthalb Jahrhunderten gegründet: von Georg Adam Dickel, einem Einwanderer aus Hessen-Darmstadt. Sein Whisky schreibt sich, untypisch für die USA, wie in Schottland ohne „e“.

Old Forge Moonshine von Pigeon Forge, Tennessee

(Quelle: Tennessee Tourism)

So klein der Betrieb auch ist, spielt George Dickel doch eine sehr wichtige Rolle: damit, zu unterstreichen, dass „Tennessee Whiskey“ nicht etwa gleichbedeutet ist mit der Weltmarke nebenan, sondern eine ganz eigene Kategorie neben dem Bourbon darstellt. Beide Destillen überstanden die Prohibition, weil sie Whiskey in kleinen Mengen als Medizin brennen durften. Heute bieten sie kostenpflichtige Führungen durch die Produktion an. Verbote hin oder her: Gegen einen Aufpreis gibt es auch in Lynchburg eine Verköstigung, zudem sind besondere Abfüllungen für Sammler im Angebot. Einer der Führer, Dusty Dickey, weiß alles über Holzkohle und den Whiskey, ist er doch ein direkter Nachfahre des Startup-Gründers von 1866, Jack Daniel.

Die Gilde der Brenner von Tennessee hat eine Reiseroute ins Leben gerufen, die tiefe Einblicke in Whiskey-Destillen gewährt. Die Website tnwhiskeytrail.com weist den Weg zu 25 Betrieben.


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