Polen: Gdansk/Danzig - Stadt des Bernsteins

Reisevideo Gdansk/Danzig

Städte-Tipp: Gdansk/Danzig

(rf) Das 16. und 17. Jahrhundert gelten als das „goldene Zeitalter“ von Gdansk (Danzig). Die Stadt erhielt die Zollfreiheit, prägte seine eigene Münzen und dominierte den polnischen Außenhandel. Danzig wurde damals zu einer der reichsten Städte in Mitteleuropa. In dieser Zeit entstanden auch viele der Prunkbauten der Rechtstadt, die bis heute die Touristen begeistern. Herzstück der Rechtstadt ist der Königsweg, der vom Hohen Tor zum Ufer der Mottlau führt. Patrizierhäuser mit ihren prächtigen Fassaden und Schmuckgiebeln säumen die ul. Dluga (Lange Gasse). Im Erdgeschoss hatten die reichen Kaufleute ihre Kontore, darüber wohnten sie. Im Uphagenhaus fühlt man sich in diese Zeit zurückversetzt. Das Haus wurde ganz im Stil der damaligen Zeit eingerichtet. In vielen anderen Gebäuden der Rechtstadt leben bis heute ganz normale Familien. Und so gibt es hier neben schicken Cafés und Andenkenläden immer noch kleine TanteEmma-Länden, in denen man von Bonbons bis Zahnpasta alles findet.

Der Dlugi Targ (Lange Markt) ist der Salon der Danziger. Hier trifft man sich im Sommer zu vielen Festen und vor Weihnachten zum symbolischen Mahl unter der Tanne. Um den Platz gruppieren sich die schönsten Gebäude der Stadt, darunter der Artushof mit seiner leuchtend weißen Fassade. Davor darf Neptun sich seit fast 400 Jahren im Wasser vergnügen. Das Rechtstädtische Rathaus zeigt historische Aufnahmen vom Ende des Zweiten Weltkriegs. Hier lässt es sich am besten ermessen, welche Leistungen polnische Restauratoren in der zerstörten Stadt vollbracht haben.

Durch das palastartige Grüne Tor gelangt man vom Langen Markt zum Ufer der Mottlau, wo die Ausflugsdampfer der Weißen Flotte zu ihren Touren ins benachbarte Seebad Sopot (Zoppot) oder zur Halbinsel Hel starten. Die belebte Promenade führt zum Zuraw (Krantor), einem Wahrzeichen der Stadt. Der Holzkran wurde 1442-1444 erbaut. Je vier Arbeiter bewegten im Inneren mit ihren Füßen die beiden riesigen Holzräder. So konnte man bis zu vier Tonnen schwere Lasten heben.

Als eine der schönsten Gassen der Rechtstadt gilt die ul. Mariacka (Frauengasse), die von der Mottlau zur Marienkirche führt. Charakteristisch sind hier die Beischläge – terrassenartige Vorbauten, auf denen Bernsteinverkäufer ihre Waren anbieten. Danzig ist der bedeutendste Handelsplatz für das „Gold der Ostsee“. Die Marienkirche, größte gotische Backsteinkirche der Welt, bietet Platz für 25.000 Menschen. Ihre astronomische Uhr ist mit 14 m ebenfalls die größte der Welt.

Stundenlang kann man durch die Gassen der Rechtstadt bummeln und sich über immer neue Entdeckungen freuen. Doch damit nicht genug: In der benachbarten Altstadt warten weitere architektonische Schmuckstücke wie das manieristische Rathaus oder die größte mittelalterliche Getreidemühle Europas auf die Besucher. In der Alten Vorstadt lockt das Nationalmuseum mit seinen umfangreichen Sammlungen von Porzellan, antiken Möbeln und dem „Jüngsten Gericht“, dem weltberühmten Triptychon des flämischen Malers Hans Memmling.

Geschichtsträchtige Orte sind die ehemalige Leninwerft, wo der Aufstand der Gewerkschaft Solidarnosc begann, und die Westerplatte, wo die ersten Schüsse des Zweiten Weltkrieges fielen. Auf den Spuren von Günter Grass kann man sich durch den Stadtteil Wrzeszcz (Langfuhr) bewegen. Das Geburtshaus des Literatur-Nobelpreisträgers findet sich dort ebenso wie eine Skulptur für seinen Blechtrommler Oskar Matzerath. Dörflich wirkt der Vorort Oliwa (Oliva). Dort zieht die gotische Kathedrale die Besucher an. Ihre klanggewaltige Orgel wurde 1763-1788 von dem Zisterziensermönch Johann Wulf mit 7.876 Pfeifen gebaut.

Gdansk verfügt über ein Opernhaus, die neue Philharmonie am Mottlauufer, zahlreiche Theater, Museen und Galerien. In der Rechtstadt und Altstadt von Danzig gibt es eine Reihe von Kneipen und Klubs. Im Zentrum von Gdansk eröffneten in den vergangenen Jahren mehrere neue Hotels, darunter die 5-Sterne-Häuser von Hilton und Radisson Blu in der Rechtstadt. Das Angebot umfasst auch preiswerte Hotels sowie Hostels und Appartements im Zentrum. Eine gute Auswahl an Restaurants mit polnischer und internationaler Küche findet in der Rechtstadt und Altstadt von Gdansk.

Weitere Informationen unter www.gdansk.pl.

Reise-Tipp: Der größte Flohmarkt Polens

Jedes Jahr Ende Juli füllen sich die Gassen der Danziger Altstadt mit Verkaufsständen. Der Dominikanermarkt ist der größte Flohmarkt in Polen. Mehr als 1000 Händler beteiligen sich und bieten drei Wochen lang Trödel oder Kunstgewerbliches an. Die Tradition des Marktes reicht zurück bis ins Jahr 1260. Hunderttausende Besucher kommen dazu jedes Jahr in die Altstadt von Gdańsk. Begleitet wird der Flohmarkt von zahlreichen kulturellen Veranstaltungen wie dem Carillon-, dem Shakespeare-Theaterfestival und der Musik in alten Danziger Gebäuden. Infos: www.mtgsa.com.pl

City-Tour: Auf den Spuren von Günter Grass

Der ehemalige Vorort Langfuhr heißt heute Wrzeszcz und liegt im Zentrum von Gdańsk zwischen der Altstadt und den Neubaugebieten im Nordosten. Östlich der belebten Al. Grundwaldzka, gleich hinter den Bahngleisen, verläuft die ul. Lelewela, der frühere Labesweg. Im Haus Nr. 13 führte der Vater von Günter Grass einen kleinen Kolonialwarenladen. Hier verbrachte der am 16. Oktober 1927 geborene Schriftsteller seine Kindheit und Jugend. Den Laden gibt es nicht mehr, ein kleines Metallschild erinnert dort an den berühmten Bewohner. Sein literarischer Held, der kleine Oskar Matzerath, sitzt ganz in der Nähe mit seiner Trommel auf einer Parkbank am neu gestalteten pl. Wybickiego. Die Danziger Stadtväter ließen das Denkmal 2003 aufstellen. Auch der Vater von Oskar Matzerath hatte im Labesweg seinen Kolonialwarenladen. Beim Spaziergang kann man sich leicht vorstellen, wie der Knirps mit seiner rot-weißen Trommel plötzlich um die Ecke biegt. Denn das Viertel mit seinen zwei- und dreigeschossige Reihenhäusern und kleinen Vorgärten hat sich seit den 1930er Jahren wenig verändert. Eher gemächlich geht es hier zu, ganz anders als in der quirligen Altstadt.

Ein wenig ist noch die kleinbürgerliche Atmosphäre zu spüren, die Grass in seiner „Danziger Trilogie“ eingefangen hat. Hier lebten seine Hauptfiguren aus der „Blechtrommel“, aus „Katz und Maus“ und den „Hundejahren“. In der ul. Pestalozziego 7/9 findet sich der dreigeschossige Klinkerbau der Pestalozzischule. Grass ging dort zur Schule und auch Oskar Matzerath verbrachte in dem Bau seinen ersten und einzigen Schultag. Einige Ecken weiter liegt die ehemalige Westerzeile, heute ul. Zbyszka z Bogdańca. In einem der zweigeschossigen Reihenhäuschen lebte Pilenz, der Ich-Erzähler aus „Katz und Maus“. In der parallel verlaufenden Osterzeile Nr. 24, heute ul. Duboisa, wohnte der Held der Erzählung, der „große Mahlke“. Gleich um die Ecke lohnt sich der Blick auf das lang gezogene Gebäude der Marienkapelle in der ehemaligen Ostseestraße/ul. Hallera. Mahlke und Pilenz waren dort Messdiener. Weithin sichtbar ist der hohe Turm der Herz-Jesu-Kirche in der ul. Mireckiego, gleich am Bahndamm. In dem neugotischen Bau wurden Grass und auch Oskar Matzerath getauft. Im rechten Seitenschiff findet sich der Marienaltar mit der kleinen Jesusfigur. Oskar hängte ihr seine Blechtrommel um und erlebte seine Enttäuschung, als die Jesusfigur partout nicht mit dem Spiel beginnen wollte. Zu den Höhepunkten im Leben des kleinen Oskar zählten die Sonntagsausflüge zum Strand von Brösen, dem heutigen Brzeźno. Wie damals ist die Fahrt mit der Straßenbahn möglich. Heute führt sie allerdings vorbei an neuen Hochhaussiedlungen. In der ul. Północna sind noch Reste des alten Fischerdorfes erhalten. Verglichen mit dem mondänen Sopot ist Brzeźno das Seebad der kleinen Leute geblieben. Wie damals kommen noch viele Danziger Arbeiterfamilien hierher. Wo einst die alten Kurhäuser standen, befinden sich heute Verkaufsbuden und hübsche Lokale. An der wieder aufgebauten Mole finden im Sommer Konzerte statt.

Am Strand von Brzeźno spielt eine der beeindruckendsten Episoden der „Blechtrommel“. Beim Spaziergang begegnet Familie Matzerath einem Fischer, der mit einem Pferdekopf Aale fängt. Nicht nur Oskars Mutter, auch vielen Filmzuschauern hat diese Szene den Appetit auf Aal für immer verdorben. Östlich des Strandes, an der Weichselmündung, beginnt das Gelände des Hafens von Gdańsk. In Nowy Port, dem damaligen Neufahrwasser, trafen sich die Jugendlichen aus „Katz und Maus“ zum Schwimmen. Dort tauchte der „große Mahlke“ zum Wrack eines gesunkenen Minensuchbootes.

Wer auf den Spuren von Grass wandelt, kommt um einen Besuch in der Altstadt, Stare Miasto, nicht vorbei. Am pl. Obrońców Poczty Polskiej, dem ehemaligen Heveliusplatz, befindet sich das berühmt gewordene Gebäude der Polnischen Post. Bei Kriegsbeginn am 1. November 1939 verteidigten sich die polnischen Postangestellten 14 Stunden lang verzweifelt gegen eine deutsche Übermacht. Die 38 gefangen genommenen Postbeamten wurden in einem Willkürakt später standrechtlich erschossen und in einem Massengrab an der heutigen Al. Jana Pawła II verscharrt. Grass schildert den verzweifelten Kampf in der „Blechtrommel“. Das im Krieg zerstörte Gebäude wurde 1951 wieder aufgebaut und beherbergt ein kleines Museum. Vor dem Haus erinnert ein Denkmal an den ungleichen Kampf.

Ein paar Schritte von der Post entfernt liegt am pl. Dominikański die alte Markthalle. Dort beginnt die Liebesgeschichte von Alexandra aus Gdańsk und Alexander aus Bochum, den beiden Hauptfiguren der Erzählung „Unkenrufe“. Aber das ist eine ganz andere Geschichte – aus den Zeiten der großen Umwälzungen nach 1989, mal heiter, mal melancholisch erzählt, gewürzt mit einem kräftigen Schuss Ironie. Mit ihr ließe sich der Rundgang auf den Spuren von Grass fortsetzen – durch die Altstadt von Gdańsk, zu den Parks links und rechts der Al. Zwycięstwa und noch einmal hinaus nach Brzeźno.

Umgebung: Seebad Sopot/Zoppot

(rf) An Danzig schließt sich das mondäne Seebad Sopot an, das schon in den 1920er Jahren als Rimini des Nordens galt und heute an seine Glanzzeiten anknüpft. Zu beiden Seiten hölzernen Seebrücke erstrecken sich goldgelbe Sandstrände, die Promenade säumen schmucke Villen im Stil der Bäderarchitektur. Die Entwicklung von Sopot zum mondänen Kur- und Badeort begann 1823 mit Jean Georg Haffner, einem Arzt in Napoleons Armee. Er quittierte seinen Dienst, um hier eine Badeanstalt zu bauen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Sopot zum bekannten Seebad und erhielt 1901 die Stadtrechte verliehen. Schon in den 1920er Jahren zog die Reichen und Schönen magisch an. Im Bereich des mehr als 4 km langen Strandes entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele prachtvolle Villen im Stil der Bäderarchitektur mit hölzernen Vorbauten, die bis heute erhalten blieben. Aushängeschild des Seebads ist die strahlend weiße hölzerne Seebrücke Europas. Sie misst 511,5 m und wurde 1927 gebaut. Hier legen Ausflugsdampfer an, es finden Konzerte und Sportveranstaltungen statt und an schönen Tagen promenieren viele Tausend Besucher über die Brücke. An der Mole beginnt Sopots berühmte Fußgängerzone ul. Bohaterów Monte Cassino oder kurz Monciak genannt. Sopot knüpft längst wieder an seine großen Zeiten an. Das Seebad bietet ein abwechslungsreiches Nachtleben. Bis früh am Morgen treffen sich Szengänger in den großen Clubs wie dem Mandarynka, dem SPATiF oder dem Sfinx. Immer wieder kommen neue angesagte Adressen dazu. Das Schöne daran: Alle liegen im näheren Umkreis der Fußgängerzone Moniak. Man kann sich also nach Herzenslust treiben lassen.

Weitere Informationen unter www.sopot.pl.

Region: Woiwodschaft Pomorskie/Pommern

Die Woiwodschaft Pomorskie liegt im Norden Polens. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen wohnt in den Städten. Größte Agglomeration ist die Dreistadt (Trójmiasto) aus Gdańsk, Gdynia und Sopot. Mehr als ein Drittel der Region ist mit Wäldern bedeckt. Zu den wichtigsten Naturlandschaften gehören die Wanderdünen im Słowiński Park Narodowy. Neben diesem Nationalpark gibt es auch mehrere Landschaftsschutzgebiete. Mit den Kilometer langen Stränden der Ostsee, den zahlreichen Seen der Kaschubischen Schweiz und der als Welterbe der UNESCO geschützten ehemaligen Kreuzritterburg von Malbork (Marienburg) verfügt die Region über ein enormes touristisches Potenzial. Neben dem Tourismus tragen vor allem der Schiffbau, Raffinerien, die Seehäfen von Gdańsk und Gdynia, die Lebensmittelindustrie und der Maschinenbau zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.

Weitere Informationen unter www.wrotapomorza.pl.


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