Verkehrs-Alltag in Asien - Abenteuer für Langnasen

(Quelle: Wolfgang Schneider)

Reiseimpressionen aus Bali

(Verkehrs-)Alltag in Asien - Abenteuer für Langnasen garantiert
Von Wolfgang Schneider

(rf) Man sagt, der Hinduismus geht vom Einklang von Gut und Böse auf der Welt aus. Wer die indonesische Insel Bali besucht, merkt schnell: An diesem Miteinander eine ganze Menge dran! Beispiel: Straßenverkehr. Wuseligen Rollerfahrer brausen kreuz und quer über die Straßen, ohne dass es auch nur einmal gefährlich wird. Und das auch noch als Linksverkehr. Wer sich selbst nicht hinters Steuer traut, kann das Abenteuer Straßenverkehr mit dem Shuttlebus vom Flughafen zum Hotel oder bei einer Taxitour durch Bali live erleben. Vorausgesetzt man stört sich nicht allzu daran, dass jeder Überholvorgang mit einem kurzen Druck auf die Hupe untermalt wird. Dieses Geräusch brennt sich schon kurz nach der Ankunft des sonnenhungrigen Besuchers in der balinesischen Hauptstadt Denpasar ins Gehirn ein. Doch zuvor gilt es sich einen Weg durch das "Empfangskomitee" von der Ankunftshalles des Flughafens zu bahnen. Droschkenkutschen stürmen auf müde Reisenden, als ging es darum, den anderen den Leckerbissen vor der Nase weg zu schnappen. Selbst Reisende, die sich auf ihren Indonesien-Trip gut vorbereitet haben, trifft der Angriff des Taxi-Geschwaders heftig. Selbst ein resolutes „NO“ sorgt nicht wirklich für Abhilfe. Am Ende bleibt nur noch das härteste Mittel übrig: Einfach ignorieren! Zumindest so lange, bis man sich am offiziellen Taxi-Informationsstand einen Fahrer seines Vertrauens geangelt hat. Der nächste Schock folgt schnell. Zu den Rupien, der offiziellen Währung, findet der Euro-Geschädigte kaum einen Bezug. 120.000 von dem labrigen Papiergeld, rund zehn Euro, will der Mann für die Tour zum Strandhotel in Sanur haben. Auf drei Erwachsense mit Koffern und Handgepäck wartet ein Wagen, der nicht annährend die Größe eines deutschen Taxis hat. Das soll gehen? Es geht! Und los geht’s in die dunkle Nacht. Eigentlich ist die Straße zweispurig in jede Richtung, doch der Mitfahrer lernt schnell: Mit Straßenmarkierungen nimmt es auf Bali keiner so genau. So überholt der nicht sehr gesprächige Taxifahrer mal eben einen Lkw , während links fliegt ein Roller vorbeifliegt und rechts kommt plötzlich auch noch einer. So einfach werden aus zwei Spuren mal eben vier. Da ist es nicht nur die hohe Luftfeuchtigkeit, die einen ins Schwitzen bringt. Ob die Auslands-Krankenversicherung bei Unfällen mit Harakiri-Taxifahrern zahlt?

Bali lebt vom Tourismus. Gäste sind herzlich willkommen, leben doch viele der knapp vier Millionen Einwohner vom Tourismus. Die Balinesen sind froh, dass nach den Terroranschlägen in den 90-er Jahren wieder viele Menschen auf ihre Insel kommen. Eine Reise auf die indonesische Insel ist für Langnasen, wie so oft, wenn es gen Asien geht, ein Ausflug in eine andere Welt. Die Insel kann man auf verschiedene Weise erkunden. Wer die Herausforderung liebt, sollte Land und Leute auf eigene Faust entdecken. Wem die Taxifahrt genug Abenteuer war, der sollte seinen Urlaub dennoch nicht die ganze Zeit am Strand verbringen und eine geführte, mehrtägige Tour durch Bali buchen. Es werden verschiedene Routen von diversen Veranstaltern angeboten. Die Punkte, die angefahren werden, sind in der Regel auch das, was man gesehen haben muss.

Wir entscheiden uns für eine organisierte Tour. Nach einigen Tagen der Akklimatisierung geht es vom Süden der Insel erst einmal nach Pemutaran. Auf dem Weg dorthin gibt es den ersten von vielen Tempeln zu bestaunen. Dieser liegt am Ufer des Bratan Sees, einem mit Süßwasser gefüllten Vulkankraters, und heißt Pura Ulun Danu. Eines wird schnell klar. Für Balinesen steht die Religion im Mittelpunkt ihres Lebens. Wer jedoch Prunk erwartet, wie er etwa bei thailändischen Tempeln zu sehen ist, wird enttäuscht. Architektonisch sind die Hindu-Tempel in der Regel durchaus sehenswert. Doch so sehr sich der freundliche Führer auch bemüht: Der Reiz, den er in diesen Tempelanlagen erblickt, bleibt dem Besucher meist verschlossen. Einer der faszinierendsten Tempelanlagen ist Tanah Lot Meerstempel, dieser liegt direkt an der Küste und bietet hervorragende Fotomotive. Irgendwie bleibt auch nach der fünften oder sechsten Tempelanlage die Erkenntnis für den christlich geprägten Mitteleuropäer auf der Strecke. Doch die Tempel sind der ganze Stolz der Menschen dort. Die tiefe Verwurzelung in diesem Glauben wirkt ansteckend, auch wenn es nur schwer nachvollziehbar ist.

Wer nicht nur religiöse Stätten besichtigen will, dem sei der Baluran National Park auf Ostjava (eine Stunde Zeitverschiebung gegenüber Bali) ans Herz gelegt. Der Park besteht überwiegend aus Wald und Savanne und liegt an einer Küste, die viele Halbinseln und Buchten bietet. Korallenriffe, Sandbänke und Wattlandschaften sorgen in Kombination mit Halbinseln voller Mangroven oder Sumpfwäldern für eine spannende Mischung. Während einer Geländewagentour hat man schnell das Gefühl auf "Du und Du" mit Rehen, Wildschweinen, Affen, Pfauen oder exotischen Vogelarten zu sein. Über 25 Säugetier- und 155 Vogelarten sind in diesem Nationalpark beheimatet.

Wer nur relaxen will, kann die Zeit an traumhaften Stränden, in tollen Hotels oder urigen Restaurants verbringen, wo es - wieder typisch für Asien - für kleines Geld oft sehr gutes Essen gibt. In den Abendstunden sind die Begegnungen mit Straßenhändler ein unbedingtes Muss. Aber Achtung, Feilschen ist hier selbstverständlich Pflicht! Und das hat erst Recht seinen Charme, wenn hinter einem die obligatorischen Rollerfahrer halsbrecherisch irgendwo zwischen Straße und nahezu nicht vorhandenem Gehweg fahren. Egal, ob entspannter Strand-Urlaub, interessante Besichtigungstour oder hautnahes Naturerlebnis - vor Verkehrserlebnissen balinesischer Art gibt es kein Entrinnen.


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