Spanien: Zur Weihnachtszeit nach Sevilla

Spanien: Zur Weihnachtszeit nach Sevilla

(rf) Die Kathedrale von Sevilla, die dritt größte christliche Kirche der Erde ist festlich geschmückt. Es ist der Nachmittag des 8. Dezember, das Fest der „Unbefleckten Empfängnis“, das hier in Sevilla erste weihnachtliche Gefühle weckt. Eine Woche lang drängeln sich die Menschen im riesigen Innenraum der Kathedrale, um den berühmten, von Kastagnettenklängen begleiteten Gesang und Tanz, den „Baile de los Seises“ zu bewundern. Zwölf Chorknaben, gekleidet in die historischen blau-weißen Kostüme von königlichen Pagen aus der Zeit der Habsburger, tragen ihn mit ihren hellen Stimmen vor. Die Tradition geht zurück auf das 15. Jahrhundert. Damals waren die jungen Sänger noch als Hirtenjungen gekleidet und nutzten als Begleitinstrument maurische Schellentrommeln. Ursprünglich waren es 16 Jungen, daher der Name „Los Seizes“, der im Laufe der Jahrhunderte aufgrund der andalusischen Aussprache des „z“ als „s“ zu „Los Seises“ wurde. Sie singen auch an Fronleichnam (in rot-weißen Kostümen) und eben in der Woche um den 8. Dezember. Der „Baile des Los Seises“ setzt sich aus drei verschiedenen, einfachen Tänzen zusammen: Der erste ist der Gottesmutter, der zweite dem Bischof und der dritte dem Rathaus und Volk geweiht.

Schon in der Morgendämmerung des 8. Dezember versammeln sich die verschiedenen „Tunas Universitarias“, studentische Gesangsgruppen auf der Plaza del Triunfo unter dem Denkmal der „Unbefleckten“ und tragen der Gottesmutter ihre Gesänge vor. Später am Vormittag hört man in der Kirche des Heiligen Antonio Abad die Hörnerklänge, bekannt als die „Freuden der Gottesmutter“.

In diesen Tagen werden in der ganzen Stadt, vor allem in den Kirchen, im Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden, aber auch in großen Kaufhäusern die zahlreichen kunstvollen Krippenszenerien aufgebaut. Sevilla ist eine der spanischen Städte mit einer großen Krippentradition, die Carlos III aus Italien in Spanien eingeführt hatte. Die erste Krippe soll der heilige Franz von Asisi nach seiner Wallfahrt ins Heilige Land an Weihnachten des Jahres 1223 in einer Höhle des italienischen Dorfes Greccio, wo er die Mitternachtsmesse zelebrierte, mit einem Esel und einem Ochsen aufgestellt haben. Die Franziskaner haben diese Tradition im 14. und 15. Jahrhundert in ganz Italien verbreitet. Man kann während der Weihnachtszeit sowohl in Sevilla selbst wie auch in den Orten der Umgebung einer „Route der Krippen“ folgen und die schönsten „belenes“, wie sie im Spanischen nach dem Ort Bethlehem heißen, besichtigen. Wie überall in Spanien gibt es auch in der Provinz Sevilla sogenannte „lebende Krippendarstellungen“, in denen die Bewohner der Dörfer und Städte das Geschehen um die Geburt Jesus in Bethlehem nachstellen. Bei verschieden Krippenwettbewerben werden die schönsten Krippen ausgezeichnet. Von Mitte November bis zum 23. Dezember findet darüber hinaus in Sevilla auf der Plaza de San Francisco alljährlich eine Krippenausstellung statt. An mehr als 31 Ständen kann man die Produkte der Kunsthandwerker Sevillas und der Umgebung bewundern und sich mit dem notwendigen Weihnachts- und Krippenschmuck eindecken.

Herrliches Kunsthandwerk zu Weihnachten bietet auch der „Mercado Navideño de Artesanía de Sevilla“, der weihnachtliche Kunsthandwerkermarkt Sevillas, der alljährlich vom 16. Dezember bis 05. Januar auf der Plaza Nueva im Stadtzentrum abgehalten wird. Hier findet sich für die Weihnachtseinkäufe alles Handwerkliche von Schmuck über Keramik bis hin zu Produkten aus Holz, Glas, Textilien und Leder. Wer seine Einkäufe im Advent nach Sevilla verlegt, erlebt eine Stadt, die sich wie die meisten Städte Spaniens in ein festliches Kleid aus glitzernden Lichtern hüllt.

Die zahlreichen Klöster, in denen man das ganze Jahr über an den Klosterpforten typisches Gebäck und Süßigkeiten wie die Yemas – zuckersüßes Eigelb - kaufen kann, bieten traditionelle hausgemachte Weihnachtsleckereien mit viel Mandeln und Marzipan, Nüssen und Honig. Besonders lecker sind die alfajores, Mandel-Nuss-Honig-Kuchen, roscos de navidad – süße Kringel, teilweise mit Wein verfeinert, und die Mantecados, ein weihnachtliches Schmalzgebäck. Aus Estepa, einer Kleinstadt in der Provinz Sevilla stammen die über die regionalen Grenzen hinweg bekannten Polvorones, bröckelige Plätzchen aus Mehl, Schmalz und Zucker.

Vom 06. bis 08. Dezember erhält man einen Überblick über die zahlreichen Leckereien aus den verschiedenen Backstuben der Klöster Sevillas und der Provinz. Auf einer Ausstellung des Erzbistums Sevilla im Real Alcázar, der alten königlichen Festung der Stadt, läuft einem beim Anblick der vielen Süßigkeiten das Wasser im Mund zusammen. Kaum jemand kann der Versuchung widerstehen, die bocaditos arabes, die kleinen arabischen Kuchen, die Mandelbiskuits und Ölküchlein, die verführerischen Turronpralinen mit Mandeln und Schokolade, Kastaniencreme, die Yemas de Almendra – Eigelb mit Mandeln - , das Gebäck mit Engelshaar und all die anderen Leckereien zu probieren. In Écija, einer Kleinstadt zwischen Sevilla und Córdoba, kann man sich alljährlich vor Weihnachten auf eine Route der Konvente begeben, wo man nicht nur die Klöster selbst besuchen, sondern auch ihre weihnachtlichen Leckereien kosten und erwerben kann.

Im Innenhof der Provinzregierung von Sevilla können Feinschmecker zwischen dem 09. und 19. Dezember eine Ausstellung der regionalen gastronomischen Produkte besuchen. Dort kann man die Weine aus der Sierra Norte, die verschiedensten Olivensorten, Weihnachtsleckereien oder Produkte vom iberischen Schwein probieren, das in den Dehesas, den Weidegebieten nördlich von Sevilla zu Hause ist.

Weihnachten ist in Sevilla wie in ganz Spanien nach dem eigentlichen Weihnachtsfest am 24. und 25. Dezember noch nicht vorbei. So erklingen auch nach dem 25. Dezember noch überall die villancicos, die typischen fröhlichen spanischen Weihnachtslieder. Die Weihnachtsmärkte haben weiterhin bis zum 05. Januar geöffnet. Am Silvester-abend verspeist man auf dem Rathausplatz „Plaza Nueva“ um 24.00 Uhr seine zwölf Glückstrauben, die „uvas de la suerte“, und stößt auf das neue Jahr an.

Am 04. Januar erhält der Königliche Herold aus den Händen des Bürgermeisters die Schlüssel der Stadt, um sie den Heiligen Drei Königen zu übergeben. Um 18.00 Uhr trifft der Herold hoch zu Ross ein. Begleitet wird er von Beduinen, denen die Kinder ihre Wunschbriefe übergeben können. Ein Abend später, am 05. Januar, dem Vorabend zum Fest der Heiligen Drei Könige, kommen die Drei Könige selbst aus dem Morgenland nach Sevilla. In einem festlichen Umzug mit mehr als 30 Wagen ziehen sie unter dem Jubel der Kinder durch die Straßen der Stadt. Angeführt wird der Zug durch den Herold, gefolgt vom wegweisenden Stern und dem Wagen des Großwesirs, der die Ankunft der Könige verkündet. Es folgt der Wagen von König Melchior mit seinem leuchtend blauen Thron; danach die Karosse von König Gaspar auf einem rötlichen Thron, dessen Farbe das Licht in der fernen Wüste widerspiegelt. Und zum Schluss folgt König Baltasar. Begleitet werden die Wagen von Musikorchestern, die fröhliche Klänge spielen und die Zuschauer zum Mitsingen und Mitklatschen animieren. Der Umzug der Heiligen Drei Könige in Sevilla wurde im Jahr 2001 zum Fest von touristischem Interesse erklärt.

Pünktlich vor Beginn der weihnachtlichen Wochen hat die Stadt Sevilla den Führer „Weihnachten in Sevilla“ herausgebracht. In ihm finden sich sämtliche Veranstaltungen, von Konzerten über Ausstellungen bis hin zu den Weihnachtsmärkten in Sevilla und der Provinz, ebenso wie die Adressen von Klöstern, die typisches Weihnachtsgebäck verkaufen oder Plätze und Gebäude, in denen die schönsten Krippen zu sehen sind. Daneben gibt es aber auch Informationen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Shoppìng, etc. Zu finden ist der Führer in englischer und spanischer Sprache im Internet unter www.turismosevilla.org und www.sevillayprovincia.com.

(Quelle: Spanisches Fremdenverkehrsamt)






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